Die drei Säulen: Umlagesystem, betriebliche und private Vorsorge
In Österreich ist die erste Säule – das Umlagesystem – die wichtigste Basis für Pensionen. Es funktioniert solidarisch: Wer heute arbeitet, finanziert die Älteren. Betriebliche und private Vorsorge können ergänzen, bergen aber Risiken.
Die erste Säule: Das Umlagesystem – Gemeinsam für alle

Beim Umlagesystem zahlen die Menschen, die gerade arbeiten, mit ihren Beiträgen die Pensionen der älteren Generation. Das nennt man „umlegen“, weil das Geld sofort weitergegeben wird – also direkt von den Jungen zu den Älteren fließt.
Aber: Wer heute einzahlt, tut das nicht nur aus Pflicht – sondern auch mit dem Wissen, dass er oder sie später selbst eine Pension bekommt. Es ist ein generationenübergreifender Vertrag:
Heute finanziert man die Pensionen der anderen – dafür wird morgen wird die eigene
finanziert.
In Österreich ist das Umlagesystem der wichtigste Teil der Altersvorsorge. Über 80 % der Pensionszahlungen stammen aus dieser ersten Säule.
Das System einfach erklärt
- Alle, die arbeiten, zahlen einen Teil ihres Einkommens oder Lohns in die Pensionsversicherung, auch Selbstständige!
- Arbeitgeber:innen zahlen zusätzlich auch einen Anteil.
- Das Geld geht nicht auf ein persönliches Sparkonto, sondern direkt an die heutigen Pensionist:innen.
- Auf dem individuellen Pensionskonto kann man trotzdem sehen, wie viel man selbst schon eingezahlt hat und was man später ungefähr bekommen wird.
Wie viel Pension bekommt man am Ende?
Das ist individuell und kommt darauf an, wie viel Geld du in deinem Leben verdient hast, wie lange du gearbeitet hast und wann du aufhörst zu arbeiten. Wenn man 45 Jahre lang gearbeitet hat und mit 65 in Pension geht, bekommt man rund 80 % vom früheren Durchschnittsgehalt. Das ist die sogenannte 80/65/45-Regel.
Staatlich organisiert ist für alle gut
- Im Umlagesystem wird demokratisch entschieden, wie viel eingezahlt wird und wie hoch die Pensionen sind. Das System kann angepasst werden.
- Das Umlagesystem sorgt für soziale Sicherheit und Stabilität.
- Das Umlagesystem ist im Vergleich zu allen anderen Arten der Altersvorsorge sehr widerstandsfähig und krisensicher
Oft heißt es: Der Staat muss Geld dazuzahlen – das sei ein Problem.
Weil die aktuellen Beiträge der Versicherten nicht ganz ausreichen, um alle laufenden Pensionen bezahlen zu können, muss der Staat einen Teil der Pensionen aus Steuergeld finanzieren.
Nicht alle Pensionisten und Pensionistinnen konnten während ihres Arbeitslebens genug einzahlen. Sie mussten vielleicht viele Jahre lang Kinder und Angehörige betreuen oder sind irgendwann arbeitsunfähig geworden. Doch auch diese Personen müssen im Alter ein menschenwürdiges Leben führen können. Deshalb springt der Staat hier ein. Es ist also ein wichtiger Ausgleichsmechanismus, der die Pensionen garantiert, das System stabil hält und so das Vertrauen in das Umlageverfahren stärkt.
Es wird oft behauptet, dass dieser staatliche Zuschuss explodieren wird. Doch dieser ist seit den 1970er-Jahren im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung des Landes annähernd stabil geblieben. Trotz der älter werdenden Bevölkerung wird der staatliche Zuschuss in den nächsten Jahren zwar leicht zunehmen, anschließend aber wieder abschwächen und auf dem aktuellen Niveau einpendeln.
Merksatz:
„Das Umlageverfahren sorgt auch im Alter für soziale Sicherheit. Es lässt sich demokratisch steuern und ist weniger anfällig für Finanzkrisen.“
Die zweite Säule – Betriebliche Altersvorsorge

Nicht alle Pensionen werden über das Umlageverfahren ausbezahlt. Neben der gesetzlichen Pension gibt es mit der betrieblichen Vorsorge eine weitere Möglichkeit, um für das Alter vorzusorgen: die zweite Säule (Betriebspension).
Die betriebliche Vorsorge
Bei der betrieblichen Vorsorge zahlen Arbeitgeber:innen und manchmal auch die Arbeitnehmer:innen selbst zusätzlich Geld in eine private Pensionskasse ein. Diese Kasse legt das Geld an – meist in Aktien und Anleihen – und versucht es dadurch zu vermehren. Dieses Geld bekommt man dann zusätzlich zur staatlichen Pension, wenn man in den Ruhestand geht.
Wichtig zu wissen:
- Diese Art der Vorsorge ist derzeit nicht verpflichtend.
- Ob es das im Betrieb gibt, entscheidet oft der Chef oder die Chefin – idealerweise gemeinsam mit dem Betriebsrat.
- Aktuell wird gerade darüber verhandelt, ob nicht alle Arbeitnehmer:innen ein Recht auf eine betriebliche Altersvorsorge haben sollen.
- Das Geld wird am Finanzmarkt angelegt. Das bedeutet: Es kann Gewinne geben – aber auch Verluste.
Was ist gut, was ist problematisch?
✅ Gut: Wer Glück hat und gute Renditen bekommt, hat eventuell mehr Geld im Alter.
❌ Problematisch: Wenn der Finanzmarkt schlecht läuft (z. B. durch Krisen oder Kriege), kann das investierte Geld weniger wert sein und man macht Verluste – kriegt vielleicht sogar weniger ausbezahlt, als man einbezahlt hat.
Merksatz:
„Ob ich mehr krieg, hängt hier vom Markt ab – und ob meine Chef:in überhaupt mitmacht.“
Die dritte Säule – Private Vorsorge am Finanzmarkt

Nicht alle Pensionen werden über das Umlageverfahren ausbezahlt. Neben der gesetzlichen und betrieblichen Pension gibt es zusätzlich die Möglichkeit, selbst fürs Alter vorzusorgen. Diese Art der privaten Altersvorsorge wird auch als dritte Säule bezeichnet.
Die dritte Säule – Private Vorsorge
Bei der privaten Vorsorge sorgt man zusätzlich zum öffentlichen Pensionssystem noch einmal selbst fürs Alter vor. Das heißt: Man spart Geld, investiert es in Vermögenswerte und hofft, dass diese im Laufe der Zeit mehr wert werden. Die Möglichkeiten der privaten Vorsorge sind vielfältig. Wer in der Erwerbsphase übriges Geld hat, kann sich z.B. eine Wohnung, Aktien, Anleihen oder andere Wertgegenstände kaufen. Weitverbreitet sind auch Pensionsversicherungsprodukte, bei denen in der Regel aber hohe Gebühren anfallen.
Typische Formen:
- Lebens- oder Pensionsversicherungen von Banken & Versicherungen
- Immobilien (z. B. Wohnungen vermieten)
- Aktien, Anleihen, Fonds oder ETFs.
Ziel ist immer: Heute günstig kaufen – später teuer verkaufen. Oder regelmäßig kleine Einnahmen bekommen (z. B. Zinsen, Dividenden, Mieteinnahmen, Auszahlungen aus Pensionsversicherungsprodukten).
Was ist gut, was ist problematisch?
✅ Gut: Man kann sich zusätzlich absichern, wenn man Geld übrig hat.
❌ Problematisch: Wer wenig verdient, kann sich private Vorsorge oft gar nicht leisten. Außerdem trägt man selbst das Risiko bei Kursverlusten. In Krisen- und Kriegszeiten kann das angelegte Geld an Wert verlieren oder sogar gänzlich verloren gehen. Man ist von den Schwankungen der Finanzmärkte abhängig. Bei vielen Pensionsvorsorgeprodukten fallen zudem hohe Gebühren an – und man trägt ggf. das Risiko, die Versicherungsprämien nicht mehr bezahlen zu können, wenn man in Lebensphasen kommt, in denen man auf einmal weniger verdient.
Merksatz:
Private Vorsorge bringt – wenn alles gut geht – vor allem den Menschen etwas, die zusätzlich Geld zur Seite legen können.
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