Mythos 3: Private Pension: Gewinn für alle? – Warum das nicht funktioniert.
Rund um private Pensionen wird oft versprochen, dass man mit Investieren im Alter automatisch mehr Geld herausbekommt. In sozialen Medien und in der Werbung klingt das manchmal so, als könnten alle ohne Risiko hohe Gewinne machen. Doch Renditen entstehen nicht von selbst. Sie hängen immer von echter Arbeit, Wirtschaftslage und Marktbedingungen ab. Der Fakten-Check zeigt, warum „Gewinn für alle“ nicht so einfach funktioniert und welche Grenzen private Vorsorge hat.
Der Mythos:

Was ist eigentlich eine „Rendite“?
Eine Rendite ist der Gewinn einer Investition. Eine positive Rendite bedeutet also, dass du mehr Geld zurückerhältst, als du ursprünglich investiert hast. Z.B. wenn du eine Aktie kaufst, ihr Kurs an der Börse steigt und du sie dann teurer verkaufst, nennt man diesen Kursgewinn eine Rendite. Rendite kannst du aber auch machen, wenn du Anteile an einem Unternehmen erwirbst und dafür regelmäßig Dividenden erhältst. Dividenden sind Gewinnanteile, die manche Unternehmen an ihre Aktionär:innen auszahlen.
Die Anbieter von privaten Pensionsvorsorgeprodukten werben oft mit sehr hohen Renditen. Das heißt, du zahlst Geld für deine private Pensionsvorsorge ein und das wird am Kapitalmarkt angelegt. Später bekommst du dein Geld samt einer Rendite zurück. Wie hoch diese Rendite ist, kann dir niemand garantieren. Es kann auch passieren, dass du weniger Geld zurückbekommst, als du eingezahlt hast.
„Finfluencer:innen“ versprechen schnelles Geld
In sozialen Medien gibt es viele Videos, in denen sogenannte Finfluencer:innen, also Finanz-Influencer:innen, erklären, wie man ohne zu arbeiten reich werden kann – mit Aktien, ETFs, Fonds oder Kryptowährung. Oft zeigen sie Grafiken mit beeindruckendem Wachstum, also hohen Renditen und erzählen, wie rentabel und sicher das „langfristige Investieren“ sei.
Aber Achtung:
- In vielen dieser Videos mischen die Finfluencer:innen Informationen, Falschinformationen und Werbung.
- Es ist nicht immer klar, ob dir die/der Finfluencer:in wirklich helfen will oder sie an dir verdienen möchten, z.B. wenn sie dich vom Kauf eines Produktes überzeugen oder du dich bei einer Plattform anmeldest, die sie verlinkt haben. Das nennt man Affiliate Marketing.
Die magische Geldvermehrung: Rendite für alle ohne zu arbeiten!?
Manche meinen, dass man die Probleme mit dem Pensionssystem ganz einfach lösen kann: Wenn
alle ihr Geld einfach am Kapitalmarkt veranlagen, also z.B. Aktien und ETFs kaufen, dann werde es wie durch Zauberhand immer mehr. Am Ende sind dann alle reicher, ohne dafür arbeiten zu müssen. Man lässt also einfach das Geld für sich arbeiten.
Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Es funktioniert auch nicht, weil Geld selbst nicht arbeiten kann.
Das Problem dabei:
- Gewinne bzw. Devidenden entstehen nicht einfach aus dem Nichts. Unternehmen können ihre Gewinne im Wesentlichen auf drei Arten steigern: durch höhere Preise, durch Innovation oder durch Einsparungen – etwa bei den Löhnen. Höhere Preise bedeuten, dass Konsument:innen mehr zahlen müssen. Niedrigere Löhne bedeuten, dass Beschäftigte weniger vom erwirtschafteten Wert abbekommen.
- Wenn nun Beschäftigte weniger Lohn erhalten oder die Menschen mehr Geld für Produkte, Dienstleistungen oder fürs Wohnen zahlen müssen, wird schnell klar, dass nicht alle gleichzeitig reicher werden können.
- Was die Aktionär:innen (bzw. die Pensionist:innen) an Dividende bekommen, muss von den Arbeitnehmer:innen bzw. den Konsument:innen bezahlt werden
- Den meisten Menschen bleibt am Ende des Monats zu wenig übrig, um in relevantem Ausmaß Aktien oder ETFs zu kaufen. Private Pensionsvorsorge können sich vor allem Besserverdienende leisten.
- Auch wenn man Kursgewinne macht, d.h. die Wertpapiere später in der Pension teurer verkauft als man sie gekauft hat, entsteht dieses Geld nicht aus dem Nichts. Irgendjemand muss bereit sein, mir sie zu diesem Preis abzukaufen. Es geht hier also nur um einen Tausch und nicht um magische Geldvermehrung.
Ab in den Obstgarten

Stell dir vor, es gibt ein großes Dorf mit einem Obstgarten. Die jüngeren Menschen arbeiten dort täglich, sie pflücken das Obst und versorgen damit sich selbst und die älteren Menschen, die schon in Pension sind und nicht mehr mitarbeiten können.
Zwei Arten, wie für die Pension vorgesorgt wird:
- Umlageverfahren:
Die jungen Leute pflücken jeden Tag frisches Obst – und geben einen Teil davon direkt an die Pensionist:innen weiter.
→ Funktioniert, solange genug Leute mitarbeiten und möglichst viele mitmachen. - Kapitaldeckungsverfahren (private Vorsorge):
Die älteren Menschen haben in jungen Jahren Obst gesammelt. Die Äpfel, die sie nicht zum Leben brauchten, haben sie einem großen Obsthändler gegeben. Der versprach ihnen, dass er ihnen im Alter, wenn sie nicht mehr Obst ernten können, die Menge an abgegebenen Äpfeln zurückgibt.
Und nicht nur das – er versprach ihnen auch, dass er ihnen sogar mehr Äpfel zurückgeben wird, sozusagen als Apfel-Zinsen.
„Unvorhergesehene Schwankungen” im Obstgarten
Eines Tages passiert allerdings etwas Unerwartetes: Der Händler hat finanzielle Schwierigkeiten. Wegen einer Pflanzenkrankheit gibt es weniger Äpfel und die Äpfel werden teurer. Er hat weniger Äpfel zur Verfügung, die er nun den Menschen im Alter zurückgeben kann.
- Beim Umlageverfahren gibt es dann einfach weniger frisches Obst, das verteilt werden kann.
- Beim Kapitaldeckungsverfahren haben die Pensionist:innen zwar Gutscheine und eingelagertes Geld, aber sie können sich nicht mehr kaufen, egal wie viel sie gespart haben.
Was passiert jetzt mit den „Renditen für alle”?
Selbst wenn Menschen ihr Leben lang Geld sparen und „Vermögen“ aufbauen, ist das im Alter nur etwas wert, wenn es genug Jüngere gibt, die mit ihrer Arbeit Güter und Dienstleistungen produzieren – in unserem Bild also Obst pflücken. Denn man kann nur das verteilen, was tatsächlich da ist.
Wenn zu viele Menschen gleichzeitig in Pension gehen und ihre „Gutscheine“ (Aktien, Immobilien etc.) verkaufen wollen, aber zu wenige Junge da sind, um sie zu kaufen, bzw.
auch nicht bereit sind, zu einem guten Preis zu kaufen, dann sinkt der Wert dieser Vermögen bzw. dieser Gutscheine.
Der Sturm im Obstgarten – oder was passiert bei einer Wirtschaftskrise?
Wenn der Obstgarten von einem Sturm getroffen wird (z. B. eine Finanzkrise in der realen Welt) und die Ernte schlecht ausfällt, verlieren die Obst-Gutscheine schnell ihren Wert. Wer genau dann in Pension geht, hat Pech: Man hat zwar gespart, aber bekommt nicht genug zurück, um gut leben zu können.
Altersvorsorge braucht nicht nur Geld, sondern immer auch eine funktionierende Gesellschaft, in der genug Menschen arbeiten und gemeinsam für alle sorgen. Ein solidarisches System wie die gesetzliche Pension stellt sicher, dass niemand im Alter leer ausgeht – auch wenn die Obsternte mal schlecht ausfällt.
Geld arbeitet nicht – Menschen tun es: Rendite entsteht nicht einfach aus dem Nichts
Renditen, also Wertsteigerung, kommen nur zustande, wenn irgendwoin der realen Welt gearbeitet, produziert und konsumiert wird. Anders als es auf Finanzmärkten oft den Anschein hat, entsteht echte Wertschöpfung nicht durch den Kauf und Verkauf von Wertpapieren – sondern durch Arbeit: Menschen, die Maschinen bauen oder warten, Forscher:innen, die neue Ideen entwickeln, Pflegekräfte, Verkäufer:innen, Handwerker:innen – also Menschen, die durch ihre Arbeit täglich dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft funktioniert.

Staatliche Pensionssysteme hingegen verteilen das Geld fairer: Wer verdient, zahlt ein und alle bekommen später eine verlässliche Pension. Das ist besonders wichtig für Menschen mit niedrigem Einkommen oder unregelmäßiger Erwerbsarbeit.







