Mythos 2: Private Pensionssysteme sind günstiger und besser? Klingt schlau. Stimmt nur nicht.
Immer wieder wird behauptet, private Pensionssysteme seien günstiger und würden bessere Leistungen bringen. Diese Aussagen werden oft gezielt von privaten Anbietern verbreitet, die für ihre Modelle werben. Dabei funktionieren öffentliche und private Vorsorge unterschiedlich, mit eigenen Strukturen, Kosten und Risiken. Der Fakten-Check erklärt, was wirklich hinter dem Mythos steckt und worauf man achten sollte.
Der Mythos:

Was bedeutet „öffentlich“ und „privat“ eigentlich?
Öffentliches Pensionssystem
Das öffentliche Pensionssystem ist das System, in das der Großteil der Menschen eingebunden ist. Der Staat sammelt (über die Pensionsversicherungsanstalt) Beiträge von allen arbeitenden Menschen und ihren Arbeitgeber:innen – und zahlt damit Pensionen an Menschen, die schon im Ruhestand sind. Dieser Beitrag ist für alle Arbeitnehmer:innen – aber auch für alle Selbstständigen verpflichtend.

Private Pensionsvorsorge
Private Pensionsvorsorge kann auf viele Arten erfolgen. Wer genug Geld übrig hat, kann sich z.B. Immobilien, Gold oder andere Vermögenswerte kaufen. Meist werden jedoch Pensionsversicherungsprodukte von Banken oder Versicherungen genutzt. Du schließt dabei einen Vertrag ab, zahlst jeden Monat ein – und sie versprechen dieses Geld für dich anzulegen (also zu investieren), damit du später mehr Geld rausbekommst.
Immer gefragter sind mittlerweile private Pensionsfonds sowie Aktien, Anleihen oder ETFs – oft in Verbindung mit Sparplänen. Dabei gibt es große Unterschiede bei den Gebühren, je nachdem, wo man sein Depot eröffnet.
Egal wie man vorsorgt: Dahinter steckt immer die Hoffnung, die Vermögenswerte später in der Pension einmal teurer zu verkaufen, als man sie eingekauft hat – sprich man will mehr Geld rausbekommen, als man reingesteckt hat.
In geringerem Ausmaß geht es auch darum, mit seinem Vermögen laufende Erträge zu erzielen – sei es z.B. durch Dividenden (bei Aktien), Zinsen (bei Anleihen) oder Mieteinnahmen.
Der große Unterschied zwischen öffentlich und privat
Private Anbieter:innen wie Banken und Versicherungen wollen mit deinem Geld selbst Geld machen. Sie machen das nicht, weil sie dir einen entspannten Lebensabend bescheren wollen, sondern um Profit zu machen. Das bedeutet:
- Sie verlangen Gebühren dafür, dass sie Geld für dich anlegen
- Sie machen von deinem Geld Werbung, zahlen davon Berater:innen und belohnen ihre Aktionäre mit Dividenden
- Sie sind gewinnorientiert: Das heißt, sie wollen deutlich mehr Geld einnehmen, als sie ausgeben.
Weil es bei den Pensionen um ein Milliardengeschäft geht, versuchen Banken, Versicherungen und manche Finfluencer:innen, das öffentliche Pensionssystem schlecht zu reden. Dabei werden Werbungen geschalten oder „Studien“ beauftragt. Sie möchten Angst erzeugen und die Leute dazu bewegen, privat vorzusorgen. Das ultimative Ziel von manchen: Das Pensionssystem vollständig zu privatisieren.

Laut privaten Anbietern ist die Verwaltung des öffentlichen Pensionssystems zu teuer
Das ist falsch. Studien zeigen, dass private Anbieter bis zu zehnmal so hohe Verwaltungskosten haben wie das staatliche Pensionssystem!
Ein Beispiel:
- Der Staat benötigt nur 0,78 % seiner Ausgaben für Verwaltung
- Private Anbieter brauchen oft viel mehr, weil sie wesentlich höhere Ausgaben für Marketing, Vertriebskosten oder Werbung tätigen müssen. Studien der OECD zufolge können diese Gebühren die Pension um 10-20 % mindern.
Gewinne am Kapitalmarkt sind unsicher
Private Anbieter legen dein Geld am Kapitalmarkt an – also in Aktien, Börsenfonds usw.
Das heißt: Diese Anlagen können steigen – aber auch fallen. Es ist also unsicher, wie viel du später wirklich bekommst. Und: Bei einer Finanzkrise oder einem Börsencrash kannst du richtig viel Geld verlieren.
Ein prominentes Beispiel ist die Finanzkrise 2008, als die Pleite von Lehman Brothers einen weltweiten Börsencrash auslöste und Aktienkurse teils um über 50 % einbrachen. Wer damals bestimmte Aktien hatte, musste massive Verluste hinnehmen – oder viele Jahre warten, bis sich die Kurse wieder erholt hatten. Dafür braucht man Zeit, die man im hohen Alter nur bedingt hat. Das zeigt: Gewinne am Kapitalmarkt sind unsicher und können sich in Krisen schnell in deutliche Verluste verwandeln. Grundsätzlich gilt: Es kommt immer darauf an, wann und zu welchem Preis man gekauft hat und wann bzw. zu welchem Preis man wieder verkauft (bzw. verkaufen muss, weil die Pension vor der Tür steht).
Stell dir vor, du hast einen Apfelbaumgarten.

Jedes Jahr erntest du ungefähr 5.000 Äpfel. 2.400 Äpfel gibst du einem Händler, der verspricht:
„Ich werde deine Äpfel gut nutzen. Aus ihren Kernen pflanze ich neue Bäume und später bekommst du noch mehr Äpfel zurück – wahrscheinlich werden es jährlich ungefähr 3.000 sein!“
Du machst das 20 Jahre lang – das wären insgesamt 48.000 Äpfel, die du dem Händler gibst.
Jetzt denkst du dir:
„Cool, ich hab ihm so viele Äpfel gegeben – da kommen bestimmt 60.000 oder mehr zurück!“
Aber was passiert?
Wenn du deine Äpfel abgibst, nimmt der Händler sich gleich 10–15 % von jedem Apfelkorb für sich selbst weg – z. B. als „Einlagerungsgebühr“.
Jedes Jahr verlangt er zusätzlich weitere Äpfel für Lagerung, Werbung und Beratung.
Und: Manchmal ist das Wetter schlecht, der Markt schwankt – also wachsen die Apfelbäume auch nicht wie versprochen.
Am Ende bekommst du nach 20 Jahren nur 35.000 Äpfel zurück – obwohl du 48.000 abgegeben hast. Du hast weniger zurückbekommen, als du gegeben hast. Weil die privaten Anbieter genau damit ihr Geld verdienen.

Beim staatlichen Umlagesystem ist das anders: Da werden die Äpfel gemeinsam gesammelt, fair unter allen Pensionisten verteilt – und niemand nimmt sich einen großen Teil einfach für sich raus.


Good to know
Private Vorsorge ist oft teurer – und riskanter
„Private Vorsorge“ klingt oft gut, ist aber meistens teurer und riskanter. Das staatliche Pensionssystem hat da klare Vorteile: Es ist günstiger, verlässlicher und funktioniert solidarisch – das heißt, alle zahlen ein und jede:r bekommt später etwas zurück. Private Anbieter verlangen meist hohe Gebühren, versprechen den Menschen das Blaue vom Himmel, können das in vielen Fällen aber nicht einhalten.
Aufgaben
Video-Quiz
Aufgaben zu Mythos 2
Zuordnungsübung: Privat vs. Staatliche Pensionsvorsorge
Ordne die folgenden Aussagen der korrekten Altersvorsorge zu







